Am vergangenen Freitag, 11.11.2016, nahmen Sven Rasch und Bernhard Unterholzner von Netzwerk ROPE e.V. auf Einladung des Berliner Anne Frank Zentrums am Fachtag "Lokaler Dialog der Generationen über Lebensgeschichten und Fluchterfahrungen" auf dem GLS Campus Berlin-Prenzlauer Berg teil und moderierten dort den Workshop "Lebendige Bibliothek": Einführung ins Format.

Im Mittelpunkt des Fachtags, der den Abschluss des Projekts "Generationen im Dialog über Flucht in Geschichte und Gegenwart" (gefördert durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen des Bundesprogramms "Zusammenhalt durch Teilhabe") markierte und in dessen Rahmen in vier ostdeutschen Kommunen (Fürstenwalde, Greifswald, Königstein und Kyritz / Wusterhausen) "Lebendige Bibliotheken" durchgeführt worden sind, stand die Frage, wie die "Lebendige Bibliothek" (bei uns als "Lebende Bibliothek" bezeichnet) als Dialog- / Begegnungsformat dazu beitragen kann, aktuellen gesellschaftlichen Spaltungen entgegenzuwirken und insbesondere unterschiedliche Generationen zum Thema Lebensgeschichten und Flucht ins Gespräch zu bringen.

Ein Impulsvortrag von Ulla Kux, Referatsleiterin Erinnerungskultur und Netzwerkarbeit beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. hatte die Grenzen des Formats, das sich tatsächlich in erster Linie (unter präventiven Gesichtspunkten) "an lebendige Menschen richtet", für die historische Bildungsarbeit bereits aufgezeigt: Wie ist bspw. im Rahmen der "Lebend(ig)en Bibliothek" mit denjenigen umzugehen, die nicht mehr unter uns "Lebend(ig)en" sind, weil sie Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik geworden sind und nicht mehr selbst berichten können? Hier werden auf schmerzliche Weise "Leerstellen" sichtbar, die im 'klassischen' Ansatz einer "Lebend(ig)en Bibliothek" nicht vorkommen.

Eine Möglichkeit mit diesen "Leerstellen" umzugehen, stellte Projektkoordinatorin Christine Wehner vom Anne Frank Zentrum vor: Sie hatte sich als "Lebendiges Buch" mit dem Titel"Biographin" zur Verfügung gestellt und über Anne Frank berichtet, respektive sich über Anne Franks Lebens- und Fluchtgeschichte mit ihren "Leser*innen" in einen intensiven Dialog zur Geschichte des Nationalsozialismus begeben. Auch andere, mit den konkreten Durchführungsorten der "Lebendigen Bibliotheken" verbundene Biographien wurden durch Freiwillige und Zeitzeugen aufgearbeitet, um so eine ganz spezielle Auseinandersetzung zu ermöglichen.

Wir danken den Projektverantwortlichen Bianca Ely und Christine Wehner für die Einladung nach Berlin sowie den Teilnehmer*innen unseres Workshops für ihre engagierte Mitarbeit.

Sven Rasch & Bernhard Unterholzner

Anne Frank Zentrum

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